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2008 Borneo

Ein Spätzlesschwabe auf Reis(e)tour im Herzen Borneos

Bilder von Borneo 2008

Vom 8. bis 31. März 2008 wagte ich mit meiner Frau das Abenteuer Borneo. Zum ersten Mal in Fernasien hat diese Reise meine Vorurteile gegenüber dieser Kultur und insbesondere gegen das Essen dort nicht abgebaut. Ausgeschrieben als Insel der Vielfalt an Vegetation und Tierreich, blieb diese Pilotreise doch einiges schuldig - was vielleicht mit meinen Vorurteilen zu tun hat. Aber der Reihe nach.

09.03.2008 Anreise

Um 5.00 früh hieß es aufstehen und dieses frühe Aufstehen sollte sich den ganzen Urlaub über fortsetzen. Mit der Bahn gelangten wir problemlos und zeitgerecht am Frankfurter Flughafen an. Die One-world-Gruppe hatte sich dann dort, bis auf zwei, bereits gefunden. 11 Stunden Flug sind selbst in einer Boing 747 der Singapore Airlines nicht gerade ein Zuckerschlecken aber Lissy und der Kaiser machten mich immer wieder lachen. Die Verpflegung mit Rindersteak und ein auf Trockeneis gelagertes Nogger, taten ihr übriges um den Flug zu ertragen. Auf dem Flughafen in Singapur genossen wir erst mal die kostenlose Fußmassage und das kostenlose Internet. Nach kurzem Aufenthalt ging es weiter nach Kota Kinabalu. So hieß die Hauptstadt nur am Anfang, denn die Insider kürzen sie als KK (sprich Kai Kai) ab. Von unserer Reiseleiterin Karin und ihrem Kollegen Reynolds wurden wir bereits erwartet und mit einem Kleinbus ging es in das Promenade Hotel. Die Zimmerübergabe gestaltete sich extrem schwierig wie so manches in dem Land.

10.03.2008 Kota Kinabalu        

Nach einer Vorstellungsrunde machten wir einen Abendspaziergang an der boarder site von KK. Das einzige Problem daran, war das Überqueren der Hauptstraße, denn auf Fußgänger ist dort niemand eingerichtet. Karin erklärte die vielen fremden Früchte und Gemüse und es herrschte ein Fischgestank auf der gesamten Uferpromenade. In einem Open-Air-Restaurant gab es dann ein Seafood-Abendessen und dann ging es ab in die Falle, denn man war nun bereits 36 h unterwegs und die Zeitverschiebung von 6 h hat ein Übriges getan. An der Hotelbar hatte ich noch einen Brunei getroffen, der hat mich frei gehalten und über Brunei aufgeklärt.

11.03.2008 Kota Kinabalu

Die Hauptstadt der Region Sabah hieß bis 1968 Jesselton. Mit dem Kleinbus, der die ganze Zeit nach Basmatireis roch, ging es zunächst ins Nationalmuseum. Das war eher dürftig und das Biberacher Museum hat in seiner naturkundlichen Abteilung teilweise mehr zu bieten. Ein paar Trachten und Gebrauchsgegenstände, ein paar Blasrohre und Messer und ausgestopfte Tiere gaben einen Vorgeschmack auf das, was wir alles zu Gesicht bekommen wollten. Im Freilichtteil waren ein Langhaus nachgebaut in einer sehr schönen Anlage. Vorbei am Saba foundation Hochhaus mit seinen 30 Stockwerken und an der blauen Staatsmoschee und Wasserstadt, besuchten wir den Phu Thou Se Tempel. Karin erklärte die Bedeutung der einzelnen Figuren und Utensilien. Weiter ging es zum Signal Hill, allerdings stellte sich dort die Frage, was außer den Baukranen man von dort fotografieren soll.    Am Nachmittag besuchten wir die Kopfjäger oder zumindest die, die im dortigen Freilichtmuseum leben. Die Schädel und die Geschichten ließen die damaligen Bräuche erahnen und mit Blasrohr und Steinschleuder konnten wir uns selbst versuchen, allerdings nur auf gemalte Affen. Die Sagomaden wollte niemand versuchen. Die Tanzvorführungen und die handgemachte Musik der "Wilden" waren recht ansprechend und beim Tanz zwischen den Bambusstangen sah man manches Touristenfüßchen nur zaghaft nachgehen. Gerlinde und ich besuchten ein Internetcafe und anschließend den Curry-Inder. Da keiner der Inder auch nur ein Wort Englisch konnte bestellten wir eben die beiden obersten Gerichte. Auf ein Bananenblatt wurde dann zunächst der Reis geklatscht und dann der Rest, klatsch, patsch.

12.03.2008 Kinabalu Nationalpark

Eine Vielfalt an Flora und Fauna sollte uns laut Ausschreibung erwarten. Immerhin waren die ersten Pflanzen mit deutschsprachigen Folien behängt. Gesehen haben wir so gut wie nichts, zum Schluss noch ein paar Orchideen in Töpfen. Das Essen vom Buffet war theoretisch gut, leider waren die Schüsseln meist leer aber immerhin sind die überbackenen Bananen gut angekommen. Zur Übernachtung ging es in das Pine Resort. Das Abendessen war malayisch wie immer mit Glibbersuppe und Reis ohne Soße. Wir hatten uns mit reichlich Bier versorgt und vor Haus C noch lange palavert.

13.03.2008 Poring Hot Springs

Die Nacht im Pine Resort war recht frisch gewesen, diesen Temperaturen angepasst gab es ungetoasteten Toast mit kalten Bohnen und kaltem Rührei, dafür war der Kaffee diesmal dünn. Vor der Abfahrt kroch eine kleine Schlange unter unserem Bus hervor. Mit viel oh und ach wurde sie bewundert und von einem Angestellten gleich mit dem Stiefel zermalmt. Wie er uns erklärte war es eine Babykobra und so was gehört eben nicht in ein Feriendomizil. Nach der Busfahrt ging es bei herrlichem Wetter auf dem Canopy Walkway über Hängebrücken über die Baumkronen des Regenwaldes. Hört sich gut an, zu sehen gab es aber recht wenig. Anschließend wanderten wir noch zu einem kleinen Wasserfall und dann besuchten wir noch ein Schmetterlingshaus in dem eine kleine Gottesanbeterin auf einer Bananenblüte das fotografische Highlight war. Vor dem Essen besuchten wir noch einen schlappen Kräutergarten ehe es zum Buffet ging. Diesmal gab es kalte Spaghetti und leere Salatschüsseln. Nach dem Mittagessen ging es zum baden in die Hot Springs. Anstatt Naturbecken waren das gekachelte Wannen in die man das warme Quellwasser einlassen kann. Die Befüllung dauert ewig und so sind wir der Verdrängung wegen zu viert in die Pfütze gehockt. Zumindest ist man sich so näher gekommen und wir haben das Alter der einzelnen Tourteilnehmer geschätzt. Zum Abschluss gab es im Visitor-Center noch einen Film über die Vielfalt und Schönheit rund um Kinabalu und dass hier die größte Blume der Welt, die Rafflesia, wachse. Da ist mir schon ein wenig der Kragen geplatzt, denn den Film kann ich auch in Deutschland ansehen und auf den Einwand, wir wollen so was in Natura sehen, meinte Reynolds, dass es ganz in der Nähe eine Rafflesia gäbe. Die 4 € waren da gerne an die stolze Besitzerin bezahlt. Vorbei an Reisfeldern und Kakaobäumen, durch einen Bambuswald und schließlich war sie da. Und nicht nur eine sonder gleich zwei riesige, orange-rote Blüten. Das war nun wirklich ein einmaliges Erlebnis, denn dass eine Rafflesia zum Blühen kommt, bedarf es einiger glücklicher Zufälle und dann gerade an der rechten Stelle sein... Zurück im Pine Resort gab es am Abend wieder ein kulinarisches Highlight: Steam-boat. Dabei wird mit einem Gasbrenner ein Wasserbad erhitzt und da hinein kommt alles was man sich nur vorstellen kann. Das Gekochte wird dann über Reisnudeln geleert und gegessen. Weil das alles keinen Geschmack hat, rührt man sich eine Soße aus Soja, Chili und Knoblauch an und leert es darüber. Zum Schluss haut man noch ein Ei in die Brühe, damit es komplett schrecklich aussieht. Ich hatte den Verdacht, dass Tiger beer aus Reis gemacht wird, denn ich hatte Kopfweh am nächsten Tag aber vielleicht lag es auch nur an der Menge, ansonsten schmeckt es prima.

14.03.2008 Sukau

Um 6 Uhr aufstehen, da eine lange Busfahrt bevorsteht. Wieder ein opulentes Frühstück mit Toastbrot so weiß, weißer geht's nicht. Vorbei an ellenlangen Ölpalmplantagen sind wir an der wunderschön Loge am Fluss Kinabatangan angekommen. Am Nachmittag ging es mit Booten den Fluss entlang dabei sahen wir tatsächlich einen Orang Utan in der Ferne, Proboscies (Nasenaffen) und Billhornvögel. Die Attraktion war eine Herde Borneoelefanten die friedlich am Ufer graste. In der Lodge war am Abend für Frauen und Männer Sarongzwang.

15.03.2008 Red Ape Encounters

Mit Gummistiefeln ausgerüstet startete die erste Gruppe um 9 Uhr zum Orang-Utan-Schauen. Die umherstreifenden Elefanten beängstigten die Guides und an der zweiten Stelle hieß es dann aus dem Boot aussteigen. Durch Matschlöcher und Pfützen ging es in den Regenwald und dann sahen wir eine frei lebende Orang-Utan-Mutter mit ihrem Kind. Zum Fotografieren waren die schon recht weit weg aber mit der Filmkamera habe ich ein paar recht gute Aufnahmen gemacht. Bei diesem Unternehmen hatten wir auch erste Begegnungen mit Blutegeln gemacht. Es waren im Vorfeld diverse Tipps für den Umgang mit diesen Tieren im Umlauf, vor allem das Ausbrennen mit Zigarette wurde als die beste Methode angepriesen. Unser Guide zeigte dann aber bei einem Egel auf seinem Arm, dass man sie nur mit Mückenspray ansprühen muss und sie dann gleich ablassen. Für den WWF hatten wir dann noch jeder ein Bäumchen gepflanzt und der Forschungsstation Infos über die Orangs erhalten. Die zweite Gruppe am Nachmittag hatte weniger Glück, denn sie bekam keinen Orang-Utan zu sehen.

16.03.2008 Sandakan und Sepilok Nature Resort

Mit zwei Booten ging es auf dem Kinabatangan in rasender Fahrt in Richtung Sandakan ins indische Meer. Auf der Fahrt hatten wir die Begegnung mit einem Krokodil. In Sandakan wurde erst Mal der Großmarkt besichtigt und Obst gekauft. Anschließend ging es zur Besichtigung des chinesischen Tempels. Die Hauptattraktion war aber die grüne Baumschlage die unser Führer Ja-Ja in einem Bonsaibäumchen entdeckt hatte. Zum Mittagessen sind wir bereits in der Sepilok Lodge angekommen. Anschließend ging es zum Knipsen und Filmen in die Orang-Utan-Auswilderungsstation. Bei der Fütterung konnten man den haarigen Gesellen ausgiebig zusehen. Die Sepilok-Lodge war eine wunderschöne Anlage mit Orchideengarten, Palmen und allen Arten von Pflanzen und beim Abendspazierganz sahen wir dann noch einen Waran und sogar einen Regenbogenhornbill. So schön die Anlage war, so dürftig war das Essen, denn das Buffet war in Nullkommanichts leer und wurde nicht nachgefüllt, zum Ausgleich gab es auch kein Bier. So gefrustet war nicht gut um Trinkgeld zu diskutieren. Die Reiseleiterin hatte die Trinkgelder immer für alle bezahlt und wollte wieder einen Vorschuss einsammeln. Es war schon eigenartig welche Ansichten manche Teilnehmer hatten und befürchteten, mit zuviel Trinkgeld den Charakter der Eingeborenen zu verderben (Hauptsache selber nur vom Besten)

17.03.2008 Kota Kinabalu

Aufstehen wie immer früh, denn heute musste man früh zum Flugplatz für den Flug zurück in die Hauptstadt. Der Flieger hatte zwei Stunden Verspätung  und es gab nichts zu tun auf dem Flugplatz, wenigstens gab es ein Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee als Gutschein. Kaum waren wir dann in der Luft sind wir schon wieder gelandet, denn es waren nur 300 Km. In Kota Kinabalu sind wir wieder im Promenade Hotel abgestiegen. Mittags ging es auf die Insel Mamukan zum Schnorcheln. Abends gingen wir an der water front zum Inder. Diesmal nahm ich Fisch spici und das war wie Feuer. Brannte aber nur einmal und nach einigen eiskalten Bieren ging es wieder gut.

18.03.2008 Labuan und Brunei

Heute war der Grund für das frühe Aufstehen die Fahrt mit dem Schnellboot nach Labuan. Im Boot herrschte etwa Kühlschranktemperatur und die schrecklichen Karatefilme konnten einen auch nicht erwärmen. Labuan selbst ist nur ein riesiger Transferhafen und so wussten wir eigentlich nichts anzufangen, bis uns das nächste Boot nach Brunei brachte. Zum Mittag haben wir noch ein paar Dampfnudeln mit diversen Füllung vertilgt. Bei der Einreise in das Sultanat fragte mich der Zöllner ob ich Michael Ballack kenne (Ballack und Schumacher sind anscheinend die bekanntesten Deutschen). Reiseleiter Delfin hat uns im klimatisierten Bus in Empfang genommen und gleich vom Reichtum des Sultanates vorgeschwärmt. So hatten wir  eigentlich auf goldene Wasserhähne im Terrace Hotel gehofft aber es war eher einfach und der Pool ein Kinderplanschbecken. Zum Abendessen gab es eine Spezialität: Steam-boat. In einem eiskalten, chrommodernen Restaurant wurde wieder das Durcheinander aufgetischt aber diesmal war Brühe die Grundlage. Die Vegetarier hatten es an diesem Abend endlich mal gut, denn sie konnten in der warmen Luft im Freien ihre Glibbersuppe schlürfen.

19.03.2008 Bandar Seri Begawan

Zunächst ging es zur Moschee. Ein Prachtbau mit Türmchen und goldnen Kuppeln wie aus 1001-Nacht. Leider war am nächsten Tag ein islamisches Fest, so dass wir nicht hineine durften. Warum der Reiseleiter das nicht wusste und uns am Vortag in die Moschee geführt hat, wird wie so manches andere sein Geheimnis bleiben. Weiter ging es zum Sultanspalast, zumindest bis an den Zaun. Außer zwei Wachposten gab es dort nichts zu sehen und in den Palast darf man nicht hinein. Dann ging es zum Sultansmuseum mit dem Prunkwagen seiner Krönung und allerhand Krimskrams. Leider war der nachgebaute Krönungssaal wegen Reinigungsarbeiten auch nicht zu sehen. Zu guter letzt ging es in ein Allerweltsmuseum mit diversen Abteilungen, die wohl niemand so recht interessierten. Außer dem abschließenden guten Mittagessen mit Dessert, gibt es wenig, was von Brunei in Erinnerung bleiben wird. Über die Grenze ging es nach Sarawak in den Niah National Park.

20.03.2008 Niah National Park

Erstaunlich spät, nämlich erst um 8.30 Uhr ging es über den Fluss auf einem gut befestigten Weg in Richtung Höhlen. Paul erklärte uns die vielen Pflanzen und deren Verwendung. Bei dieser Wanderung sahen wir auf viel Getier: Rote und schwarze Tausendfüßler einen Laternenträger (Zikade) und eine riesige Stabheuschrecke. Mit Taschenlampen ausgerüstet ging es durch das Höhlenwirrwar treppauf und ab. Jede Menge Fledermäuse hingen an den Wänden und noch mehr Schwalben. Insbesondere die Schwalbennester, gebaut aus der Spucke der Vögel, sind von besonderem Interesse, denn die gelten in Malaysia als Delikatesse. Unter größten Schwierigkeiten hangeln sich die Nestsammler auf waghalsigen Konstruktionen zu den Decken empor um die Nester einzusammeln. Dann gab es noch Höhlenmalereien zu sehen, aber das war mehr ein Rastplatz als brauchbares Kulturgut.

21.03.2008 Fahrt nach Indonesien

Eigentlich hätten wir als WWF-Reisegruppe auf eine Sonderübergang nach Indonesien einreisen sollen aber leider wurde das dann nicht genehmigt und deshalb mussten wir erst nach Kuching fliegen und dann eine lange Busfahrt antreten. An der Grenze wurden wir von Hermas empfangen. Leider hatte der nur einen Minibus mitgebracht und so waren wir eingepfercht wie die Heringe, dafür war es gut warm. Bei einem Zwischenstopp machte ich Bekanntschaft mit dem indonesischen Kaffee. Ich wunderte mich schon über die Brösel die am Tassenrand waren, nahm aber trotzdem gleich einen großen Schluck und der bestand zur Hauptsache aus Kaffeesatz. Andere Länder andere Sitten, aber das wollten wir ja erleben. Im besten Hotel in Batang Ai sind wir untergekommen. Dass unser Waschbecken beinahe von der Wand fiel, der Spiegel zerstoßen und die Bettdecke löchrig war gehört eben auch in die Kategorie andere Länder. Hamas erzählte ein wenig über das bevorstehende Dschungeltrecking und was an Ausrüstung alles mitgenommen und es entbrannte eine Diskussion, ob das Kloopapier im Dschungel nun angezündet werden muss oder vergraben werden kann. Zum Glück gab es im Hotel noch ein paar Flaschen Bintang (Pilsner, brewed with finest ingredients).

22.03.2008 Langhaus in Batussibau

Die Fahrt ins Langhaus war ein echter Schlauch. Nicht die Schlaglöcher, und es waren mehr Löcher als keine, sondern auch der Busfahrer folterte uns. Eigentlich hatte der Bus ein 5-Ganggetriebe aber der Fahrer nutzte nur die Gänge 2 und 3, dafür aber mit vollen Touren. Harald war ganz begeistert von der abwechslungsreichen Landschaft, der Rest meinte es war während der ganzen Fahrt immer das Gleiche links wie recht. Erstaunlich wenig Autos begegneten uns, dafür aber Unmengen an Mopeds. Wahrscheinlich weil die einfach leichter den Schlaglöchern ausweichen können. Bein Zwischenstopp zum Mittagessen wurden wir zunächst bestaunt, denn eine Reisegruppe Weißer verirrt sich sehr selten hierher, aber bald waren Gruppenfotos kein Problem mehr. Das Essen war wieder was Besonderes. In einer langen Theke lagerten die einzelnen Speisen kalt aber ungekühlt. Reis obligatorisch und Hähnchen leicht zu erkennen aber dann; vielleicht Lamm, obwohl das wäre viel zu teuer, dann was aus Tofu und die restlichen Schüsseln waren noch unkenntlicher. Erstaunlicherweise gab es trotz dieser teilweise sehr gewöhnungsbedürftigen Essen und Essensausgabe keine Probleme mit dem Magen oder der Verdauung. So war es schon fast wieder dunkel als wir endlich beim Langhaus der Dayaks anlangten. Traditionsgemäß musste der Eingang mit einer Machete frei geschlagen werden, was Bernhard und Ute für uns erledigten. Zum Willkommen gab es Palmwein und eine Rede des Hausältesten. Wir saßen gemeinsam mit den Hausbewohnern auf der 100 m langen Veranda und man begrüßte sich nach allen Seiten so gut es eben ging. Etwas ungewöhnlich waren die sanitären Einrichtungen. Zum Duschen musste das Wasser mit einer Schöpfkelle aufgenommen werden und das Kloo war gleich integriert (aber das war noch lange nicht das Schlechteste). Zur Abendunterhaltung spielten die Dorfbewohner auf ihren Trommeln und Xylopötten und ein Mädchen zeigte zwei traditionelle Tänze. Christiane und ich tanzten sehr zur Belustigung der Einheimischen einen Wiener Walzer. Als Gastgeschenk hatte Peter einen Bildband von Deutschland übergeben.

23.03.2008 Ab in den Dschungel

Zum gemeinsamen Frühstück gab es zur Abwechslung mal wieder Reis und weil Ostersonntag war, hatte der Osterhase (Karin) Schokoladeneier verteilt. Nach der Verabschiedung ging es zur Bootsanlegestelle. In zwei Langbooten ging es auf dem Kapuas 3 Stunden lang flussaufwärts und an einem Nebenarm wurden wir dann ausgesetzt. Zur Stärkung gab es erst noch eine Portion Reis mit Grätenfisch und dann ging es los. Hermas und der immer lustige Albert (die beiden sprachen Englisch) waren unsere Guides aber manchmal wussten nur die einheimischen Träger weiter. Für jeden von uns wurde Stab geschlagen und dann ging es erst mal durch den seichten Flusslauf. Bald wurde der Fluss tief und wir mussten das schlammige Ufer erklimmen um die Tiefe zu umgehen, dabei merkte man schnell, dass die Fortbewegung im Wasser doch leichter war. Über Felsen, Baumstämme und immer wieder im Flussbett marschierten wir so zwar nicht weit aber sehr angestrengt. Gegen 5 Uhr suchten die Träger eine Stelle zum Lagern, denn um 6 Uhr (in Indonesien wurde die Uhr nochmals um 1 Stunde vorgestellt) wurde es bereits dunkel. Die Träger machten mit ihren Macheten einen Platz zum Schlafen bereit. Eine Plastikfolie wurde ausgebreitet und eine als Dach gespannt. Jeder erhielt eine Isomatte, einen Schlafsack und ein Moskitonetz und konnte sich sein Nachtlager herrichten. Bereits im Dunkeln hatten die Träger ein Feuer gemacht und das Abendessen gekocht, wie immer hauptsächlich Reis aber die hatten auch Eier dabei und nach einem Schluck Tee ging es dann in die Heia. Hatte man tagsüber kaum Tiere gesehen so wurde es in der Nacht hörbar, dass es nur so wimmeln musste. Ein unglaublich lautes Geziepe, Gequake und Gebrüll machten ein Schlafen, selbst mit Ohrstöpslen  fast unmöglich. Und mitten in der Nacht fing es auch noch an zu regnen und wie. Ich hatte das Pech, dass mein Schlafplatz an einem Baumstamm war und an dieser Stelle war das Dach nur so ausladend, dass der Regen in meinen Schlafsack lief aber das war nicht weiter schlimm, denn am nächsten Morgen mussten die nassen Sachen vom Vortag eh wieder angezogen werden.

24.03.2008 Tiefer in den Dschungel

Noch vor der Dämmerung sind wir aufgestanden, denn schlafen konnte sowieso keiner mehr. Nach dem Frühstücksreis ging es schnell wieder in den Fluss denn wir mussten ja unsere Stecke bewältigen. Das war alles andere als ein Osterspaziergang, obwohl es sicherlich manchmal so ausgesehen hat, wenn ich Gerlinde untergehakt hatte. An diesem Tag war ich mehr Lokomotive und Gehhilfe und Gerlinde war zum Schluss an ihre körperlichen Grenzen gestoßen. Manche Flussquerungen waren schon sehr schwierig und nur mit Hilfe der Träger zu bewältigen. Zum Glück hatten diese inzwischen ihre Scheu abgelegt und uns gerne ihre Hand gereicht, die wir dann auch dankbar angenommen haben. Es war schon erstaunlich, wie flink diese Burschen, die meisten barfuss und jeder gut bepackt, die schwierigen Stellen locker meisterten und unser Gepäck zusätzlich über die Untiefen schafften. Eigentlich wollte ich die Tour ausgiebig filmen, aber das Auspacken und vorsichtig sein, dass man nicht ins Wasser fällt, waren so umständlich und anstrengend, dass es nur wenige Filmsequenzen geworden sind, zumal die Kamera wegen zu hoher Feuchte zum Schluss den Geist aufgegeben hat. Die zweite Übernachtung wurde dann an einem ehemaligen Goldgräbercamp gemacht. Von diesem Camp waren aber lediglich noch ein paar Bretter übrig und die Übernachtung gestaltete sich eigentlich wie am Vorabend, nur dass keiner mehr ein Moskitonetz brauchte. Neben Reis gab es an diesem Abend Nudelsuppe und alle überschlugen sich über die Kochkünste von Albert, dabei hatte der einfach 10 Päckchen Fertigsuppe in das kochende Wasser eingerührt. Dann gab es noch frisch gefangenen Flussfisch aber das war mehr Gräte als alles andere und die meisten verzichteten auf diese Delikatesse. Das mitgebrachte Wasser war schon längst ausgegangen und es stellte sich die Frage was zu tun ist. Da wurden die Chlortabletten rausgeholt aber das schmeckte nicht und schließlich arrangierten sich alle mit dem abgekochten Flusswasser. Erwähnenswert auch die anderen Getränke. Tee: Gut zwei Liter Wasser heiß machen und dann 1 Teebeutel. Ist ja nur wegen der Farbe, den Geschmack macht der Zucker. Kaffee: Wasser heiß machen und nicht zu wenig Kaffee rein, damit es ordentlich Satz gibt. Aber geschmeckt hat es letztendlich allen und keiner hat irgendwelche Magen- oder Verdauungsprobleme bekommen. Die Probleme traten eher nach der Verdauung auf, denn das ausgehobene Toilettenloch war sehr gewöhnungsbedürftig aber immer noch besser als das gebrauchte Kloopapier anzuzünden. Die Nacht verlief ähnlich wie die vorige aber zum Glück hatte es nicht geregnet.

25.03.2008 Raus aus dem Dschungel

Wieder früh in die nassen Klamotten aber zum Glück wurde es schnell warm. Albert erklärte auf dem letzten Abschnitt viele Pflanzen und hackte einmal eine Liane ab, aus der wir dann wie Tarzan das Wasser in unsere Münder laufen ließen. Nach 4 Stunden erreichten wir dann erschöpft endlich die Boote. Es gab noch mal ein Mittagessen, diesmal mit Flussfarn aber mir reichten die gereichten Kräcker. Nach einer herzlichen Verabschiedung von den Trägern bestiegen wir die Boote. Ich hatte meinen letzten trockenen Sachen zu früh angezogen, denn kaum waren wir losgefahren ist unser Boot beinahe gekentert und bis zur Hälfte mit Wasser voll gelaufen. Da wir viel zu spät dran waren erreichten wir das vorgesehene Übernachtungsquartier nicht und fuhren ein Dorf am Kapuas an. Die Menschen dort hatten noch nie eine Gruppe Weißer gesehen und entsprechend wurden wir bestaunt. Nach langem Palaver gab es dann in drei Häusern Platz zum Übernachten. Verständigen konnten wir uns nicht aber mit Gebärden deuteten unsere Hauswirte an, dass wir zum Fluss sollten um uns zu waschen. Durchweicht vom Dschungel lehnten wir dankbar ab und erfuhren erst später dass dieser Häuser keine Toiletten hatten und deshalb der Gang zum Fluss empfohlen wurde. 

26.03.2008

Um halb Fünf fingen die Hähne des Dorfes an um die Wette zu krähen. Es war noch stockdunkel und auf dem harten Boden war an schlafen nicht mehr zu denken und so zögerte man das Aufstehen eben hinaus bis es dämmerte. Am Vorabend war uns noch die Schultoilette empfohlen worden aber als wir die für unsere Notdurft aufsuchten, verschoben die Meisten diese Sache auf später, so schrecklich war der Gestank und das Aussehen der Örtlichkeiten. Dann ging es in einer rasanten Bootsfahrt wieder zurück nach Batussibau, wo wir und in einem Hotel frisch machen konnten. Der Bus flog anschließend beinahe über die Schlaglöcher aber schließlich versagten die Bremsen und wir brauchten doch wieder 6 Stunden bis Batang Ai. Die Bierlaube hatte leider geschlossen und ich wettete mit Gerlinde, dass in dem gepflegten Lokal, das wir besuchen würden, es sicherlich kein Bier gäbe und ich hatte meine Wette gewonnen. Im Hotel hatten wir dann die gesamten Kühlschrankbestände an Bintang leer getrunken.

27.03.2008 Damai Resort Hotel

In einem klimatisierten Reisebus, der für diese Straßen viel zu groß war, ging es im Schneckentempo zurück zur Grenze, wo wir uns von Hermas verabschiedeten. Der Grenzübertritt nach Malaysia klappte erstaunlich schnell und mit einem Mal sah die Welt wieder ganz anders, nämlich sauberer und zivilisierter aus. Gegen Abend sind wir dann im Damai Resort Hotel vorgefahren. Da sind uns beinahe die Augen aus dem Kopf gefallen so luxuriös war alles. Als beim Willkommensdrink die Sonne hinter den Palmen versank, war die Welt wieder vollkommen in Ordnung. Zu fünft blieben wir dann im Hotel beim Essen und der Hamburger mit erstklassigem Brot und Kartoffeln schmeckte köstlich, dazu verschiedene Sößchen und ein kaltes Bier und zum guten Schluss noch einen Cocktail.

28.03.2008 Relaxen

Gerlinde wollte eigentlich um 7 Uhr mit Feli und Matthias auf Vogeltour gehen aber die angenehmen Betten hatten Sie verschlafen lassen. Bei strahlendem Sonnenschein war ein Pooltag angesagt. Offensichtlich hatten wir die Kraft der Sonne unterschätzt, denn bis zum Mittag waren wir krebsrot und so verbrannt, dass sich die Haut mehrmals schälte. Am Abend haben wir uns noch mal das Hotelmenü gegeben.

29.03.2008 Baku Nationalpark

Mit Booten ging es in den Park. Da gab es zum Abschluss noch einmal Tiere satt: Schlammspringer, Nasenaffen, Makaken und drei Schlangen. Interessant war auch die Wanderung durch den Mangrovenwald. Zum Mittagessen gab es in der Parkkantine letztmals lokale Küche aber mein Magen weigerte sich, sich noch einmal für Reis aufzutun. Zum Abschlussessen ging es, wie bei der Eröffnung.  wieder in eine Seafood-Halle. Man pickte sich die feinsten Sachen raus und Harald war immer noch begeistert von der vielen Glibbersuppe. Im Nationalpark hatten wir als Abschiedsgeschenk für Karin einen Plüschnasenaffen gekauft. Das verbundene Bein symbolisierte unsere geschundenen Gliedmaßen währen der Dschungelanstrengungen und auf dem Rücken hatte der Affe einen Rucksack mit einer finanziellen Unterstützung für die weiteren Aktivitäten der Reiseleiterin. Ich bedankte ich mich im Namen der ganzen Gruppe für den großen Einsatz, den diese Pilotreise bedürft hatte und für die große Geduld die die Reiseleiterin bewiesen hätte. Ich dankte ihr für ihre Anstrengungen, mir die asiatische Küche näher zu bringen, bat aber um Verständnis, dass ein Schwabe lieber bei Spätzle mit Soß, als bei Reis mit Nix bleibt. Im Hotel wurde Friedel, so hatte Karin ihren Affen genannt, begossen und man lies die Highlights der Reise noch mal Revue passieren.l

30.03.2008 Kuching

Am letzten Tag ging es in die Katzenstadt Kuching. Der Markt mit seiner Vielfalt an Farben und Gerüchen bot sich für die letzten Souvenirkäufe an. Wir kauften noch gruppenweise Plüschlangnasen und schauten dem Treiben auf dem Sarawak Fluss zu, ehe die Fahrt zum Flughafen ging.

31.03.2008 Heimflug

Auf dem Flughafen in Singapur gaben wir die letzten Brunei- und Singaporedollars aus und stellten uns dann an der langen Schlange zur Passkontrolle an. Der Flug verlief unspektakulär, obwohl es zeitweise mächtig rumpelte, und ich hatte das gesamte deutschsprachige Filmprogramm angeschaut. In  Frankfurt ging zunächst gar nichts vor der Passkontrolle bis sich  endlich eine Angestellte erbarmte und eine zweite Passkontrollstelle ein Stockwerk höher zeigte.

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